Donnerstag, 30. Juli 2020

11:9 - Das Finower Interview mit Siegfried "Egon" Lemke

Im Monat Juli, können wir euch ein Interview mit einem der bekanntesten TTC´ler präsentieren. 
Unsere Legende Siegfried "Egon" Lemke berichtet uns über seine sehr erfolgreiche Karriere. 
Lest mal rein... ;)

1. Frage:
Hallo Egon, schön das du dir für dieses Interview Zeit genommen hast.
Ganz zum Anfang wird sicherlich viele Interessieren wo und wann du mit Tischtennis angefangen hast.

Egon:
Ich habe mit 10 Jahren in Bad Doberan (bei Rostock) mit dem Tischtennis angefangen. Auf einem Dachboden bei meinem Kumpel, habe ich damals dort 6 Monate gespielt, bevor ich in den lokalen Verein, Sturmvogel Bad Doberan, eingetreten bin.

2. Frage:
Wie viele wissen warst du aber auch eine lange Zeit in Leipzig. Wie kam es dazu?

Egon:
Ich wurde damals gesichtet und zu Lok Leipzig hin delegiert. Zur Wahl standen auch noch Jena und Berlin. Der Trainer aus Leipzig ist aber extra zu meinen Eltern gekommen und konnte sie so sehr überzeugen, das es mich dann damals nach Leipzig verschlagen hat.

3. Frage:
Wie lange warst du dann in Leipzig und wie erfolgreich warst du in dieser Zeit?

Egon:
Ich war insgesamt 11 Jahre als Profi in Leipzig. Von 1958 – 1969. Dort habe ich dann in der DDR-Oberliga gespielt und war mehrmals DDR-Meister. In der Nationalmannschaft habe ich in meiner Leipziger Zeit meine größten Erfolge feiern können. 
Unser Egon zu seinen Anfangszeiten in Finow

4. Frage:
Dann bist du also 1969 nach Finow gegangen. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Egon:
Ich habe damals im Berliner Flughafen Eckhard Hanke, der damals noch in Finow gespielt hat, getroffen. Er hatte mich gefragt ob ich als Trainer ein Trainingslager in Finow leiten kann.
Nach kurzer Überlegung hatte ich zugesagt und dort beim Trainingslager haben sie mich dann überzeugt für Finow zu spielen und gleichzeitig als Trainer für alle Gruppen zu arbeiten.Das sie mich abwerben wollen, war natürlich schon vor der Einladung zum Trainingslager ihr Plan. ;) 
Der Vertrag damals ging 5 Jahre und nun bin ich doch schon 50 Jahre hier.

5. Frage:
In deiner mittlerweile also schon 70-jährigen TT-Karriere hast du bekanntlich unglaubliche viele Erfolge gefeiert. Doch was war deiner größter Erfolg deiner Laufbahn?

Egon:
Das ist wirklich eine schwere Frage.
Aber am meisten gefreut habe ich mich über den 5. Platz mit der Mannschaft bei der Weltmeisterschaft 1961 in Peking. Damals haben wir wirklich viele starke Teams geschlagen. Z.b. Westdeutschland und Tschechien.
Wir wurden dann erst im Viertelfinale von China gestoppt, die später auch Weltmeister wurden.

6. Frage:
In deinen besten Jahren gehörtest du zu den Top30 der Welt. Wie hast du es auf dieses Level geschafft?

Egon:
Ja das ist richtig. Meine beste Platzierung war Platz 26 (in Europa Platz 12) im Jahr 1963. Damals hatte ich auch das Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft erreicht, ehe ich gegen ein Japaner nach 2:1 Führung noch verloren hatte.
Erreicht habe ich dieses Level durch viele internationale Spiele, an denen ich teilnehmen durfte.
Aber auch meine Trainingsgruppe war damals sehr stark. Wir waren ja nicht umsonst fast immer DDR-Meister zu der Zeit. Unser Trainingspensum war natürlich auch sehr hoch mit 20 – 25 Stunden pro Woche.

7. Frage:
Wenn man sich anschaut wie du selbst mit 80 noch dem kleinen weißen Plastikball hinterherrennst, kann man sich nur wünschen, das man selbst in dem Alter auch noch so fit ist.
Was ist dein Geheimnis auch im hohen Alter noch so fit zu sein?

Egon:
Ich habe in meiner langen Karriere wenig Verletzungen gehabt, rauche nicht, trinke wenig und habe natürlich auch darauf geachtet mein Gewicht zu halten. Außerdem habe ich natürlich insgesamt auch ein wenig Glück gehabt das es mir immer noch so gut geht.

8. Frage:
Besonders im letzten Jahrzehnt konntest du ja viele Erfolge auf der internationalen Seniorenebene sammeln. Bereitest du dich gezielt auf diese meist sehr langen und kräftezehrenden Events vor?

Egon:
Ich passe auf das ich nicht zu viel mache, aber versuche schon zwei Mal die Woche vor den großen Turnieren beim Training zu sein. In den Turnieren muss ich schon sehr aufpassen das ich nicht nach 2 Tagen durchhänge. In den Finaltagen, wo es dann oft schlag auf schlag kommt, kann es schon eng um meine Kraftreserven werden.

9. Frage:
Aktuell spielst du für unsere 4. Herren obwohl du vom TTR-Wert auch noch in unserer 2. Herren gut aufgehoben wärst. In den Punktspielen spielst du immer gegen jüngere und meist auch viel schnellere Spieler. Wie schaffst du es trotzdem gegen diese Spieler zu gewinnen?

Egon:
Ich versuche das Spiel ein wenig zu verlangsamen und kann auch meistens ganz gut antizipieren wohin die Bälle kommen. So habe ich auch gegen die jüngeren und schnelleren eine Chance.

10. Frage:
Im Juni hättest du eigentlich die Chance auf einen Weltmeistertitel in der Altersklasse Ü80 gehabt. Doch aufgrund der bekannten Umstände ist diese natürlich ausgefallen. Wirst du im nächsten Jahr den Ersatztermin in Anspruch nehmen und auch die anschließende EM wieder bestreiten wollen? Wenn ja, was sind deine Ziele?

Egon:
Wenn ich Gesund bin, werde ich auf jeden Fall beide Turniere spielen. Aber im Alter kann man natürlich nur schlecht langfristig planen. Denn es kommt ja extrem auf mein Gesundheitszustand, der sich jederzeit auch verschlechtern kann, an.
Bei den 80igern möchte ich sowohl im Einzel- als auch im Doppel eine Medaille gewinnen.

11. Frage:
In der langen TT-Karriere hast du schon dutzende Regeländerungen „überlebt“ und miterlebt. Wenn du nun die Wahl hättest noch eine Regel zu ändern. Welche wäre das?

Egon:
Dann wäre das auf alle Fälle das alle mit gleichen Schlägern spielen müssen. Ohne Noppen, sondern nur mit Glatten Belägen. die aus dem gleichen Obergummi bestehen. Die Schwammdicke kann ruhig ein wenig variieren. Es ist mittlerweile einfach zu viel Material im Spiel.
Ich spiele zwar selber mit Noppen auf der Rückhand um das Spiel gegen schnelle Spieler langsam zu machen, doch ich würde gerne sofort umsteigen wenn diese Regeländerung kommt.
Denn besonders bei den Seniorenturnieren macht es wirklich kein Spaß das nahezu jeder Gegner mit Material spielt. Das sind dann oft keine schönen Spiele. 

Vielen Dank für das schöne Interview Egon! :) 

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